M

der Fluchtinstinkt

der Fluchtinstinkt
Und schon wieder beginnt dieses vertraute Gefühl.
Mit einer einzigen Nachricht an meinen gesamten Körper:

„LAUF.“

In dieser Umgebung werden aus nichtigen Dingen tickende Zeitbomben. Gebastelt mit dem Ziel, dich aus der Fassung zu bringen – damit du am Ende des Tages geplatzt, abgestumpft, zerstört bist.

Der einzige Weg, das hier zu überleben, ist das vertraute Gefühl der Flucht.

Flucht aus dem Strudel der Gedanken, in dem man sich unabsichtlich verlieren kann – um einen klaren Kopf zu behalten, damit die Zeitbombe dich nicht erwischt.
Flucht aus ungewollten Gesprächen, um dich den Fängen der Manipulation zu entreißen.

Nein.
Diese vier wohlvertrauten Wände waren nie ein Zufluchtsort für dich.

Kein Ort, der sich geborgen anfühlt.
Kein Ort, um Energie zu tanken.
Kein Ort, an den man immer wieder gerne zurückkehrt.

Stattdessen ist das hier ein Überlebenskampf.
Ein Kampf für die Werte, die du widerspiegelst.
Werte, die in diesen vier Wänden nichts weiter sind als heiße Luft.

Der vertraute Instinkt der Flucht und die dunkelsten, langen Nächte sind deine Freunde geworden – geborgener, freier.

Du beginnst dich zu fragen, ob dieses bedrückende Gefühl jemals verschwinden wird.
Weil jedes Geräusch, jede Berührung, jeder sichtbare Impuls zu einer Bedrohung wird.

Du fängst an, Dinge zu sehen, die schon immer da waren, aber nie deine Aufmerksamkeit bekamen.
Deine Sensibilität richtet sich nicht mehr nur auf deine Umgebung, sondern auch auf deine Mitmenschen.

Du musterst alles.
Jede Bewegung.
Jeden Ton.
Jede Veränderung.

Immer auf der Suche nach möglichen tickenden Zeitbomben – damit du dich rechtzeitig distanzieren kannst, wenn etwas geschieht.

Dieser Fluchtinstinkt hat dich zu einem Überlebenskünstler gemacht, ohne dass du jemals einen Schritt in einen echten Wald setzen musstest.

Der Wald aus Beton hat gereicht, um aus dir zugleich einen Jäger und einen Gejagten zu machen.

Doch diese Sensibilität ist zu deinem Fluch geworden.
Der Teufel sitzt im Detail – raubt dir die Lebensfreude und schenkt dir dafür einen Blick, der zu viel sieht.

Und immer wieder bleibt nur eine Frage:

„Wieso kann ich nicht wie die anderen sein?“

Da läufst du durch einen dunklen Park.
Ohne Sorge, angegriffen zu werden.
Weil jeder dich meidet.

Von Tag eins an wusstest du, dass du nicht hierhergehörst.
Nicht in diese Umgebung.
Nicht in diese Situationen.
Nicht in diese vier Wände.