M

Der innere Krieg

Der innere Krieg
Und da stehen wir wieder,
auf einem vom Krieg gezeichneten Gebiet.

Nicht aus Erde und Stahl,
nicht aus Rauch und Ruinen —
sondern aus Gedanken,
Erinnerungen
und Entscheidungen.

Ein Mensch
gegen sich selbst.

Nicht das jetzige Ich
gegen das jetzige Ich.

Nein.

Das frühere Ich
gegen das,
was daraus geworden ist.

Viele glauben,
Zeit würde aus allem
ein klares, sinnvolles Ganzes formen.

Doch so funktioniert es nicht immer.

Manchmal erschafft Zeit
keine Harmonie,
sondern ein Schlachtfeld.

Ein stiller Krieg
zwischen Prinzipien,
zwischen Moral,
zwischen dem,
was man einst geglaubt hat
und dem,
was man heute weiß.

Wie erklärt man so etwas,
wenn kaum jemand wirklich zuhört?

Wenn die meisten nur sehen,
was ein Mensch heute ist —
aber nicht die Versionen von ihm,
die unterwegs verloren gingen.

Denn dieser Kampf
wird selten laut geführt.

Er entsteht aus Erinnerungen,
aus Einschätzungen,
aus Entscheidungen,
die man immer wieder neu bewertet.

Was war richtig?
Was war falsch?
Und wer wäre man geworden,
wenn man damals
einen anderen Weg gegangen wäre?

So stehen sie sich gegenüber:
Vergangenheit
und Gegenwart.

Beide überzeugt,
im Recht zu sein.

Beide geformt
von denselben Erfahrungen.

Und irgendwo dazwischen
steht der Mensch,
der versucht zu verstehen,
welche Stimme er folgen soll.

Vielleicht wird dieser Krieg
nie wirklich enden.

Vielleicht ist er einfach Teil davon,
Mensch zu sein.

Doch am Ende bleibt
nur eine Wahrheit:

Auch in diesem stillen Krieg
wird sich etwas durchsetzen.

Eine Überzeugung.
Ein Prinzip.
Eine Version von uns selbst.

Und wie bei jedem Kampf
bleibt nur zu sagen —

Möge der Stärkere gewinnen.
#PoeAwards#Poemia