B

Im Zimmer ohne Morgen Der Morgen klopft - ich hör ihn kaum, als wäre selbst…

Im Zimmer ohne Morgen

Der Morgen klopft - ich hör ihn kaum,
als wäre selbst das Licht ein Traum.
Die Stunden liegen bleiern, schwer,
und jeder Schritt verlangt nach mehr.

Die Müdigkeit trägt Samtgewand,
legt still ihr Haupt in meine Hand.
Sie flüstert leise: „Bleib doch hier,
die Welt verliert sich hinter mir."

Die Angst hat tausend feine Zähne,
sie frisst die Hoffnung, Nerv und Sehne.
Sie malt aus jedem leisen Laut
ein Ungeheuer, grau umgraut.

Die Trägheit spinnt mit sanftem Fleiß
ein Netz aus Wolle, kalt wie Eis.
Ich seh den Schlüssel vor mir liegen -
doch kann den eignen Arm nicht biegen.

Aus Vogelperspektive klein
müsst' all mein Elend winzig sein.
Doch selbst von hoch am Himmelsrand
bleibt jede Wunde eingebrannt.

Die Straßen ziehn wie blasse Fäden,
als hätten Häuser nichts zu reden.
Die Dächer schweigen, Stein an Stein,
und ich pass nirgendwo hinein.

Die Tabletten - rund und still -
versprechen Ordnung, wenn ich will.
Kein Wunderwerk, kein Zauberschein,
nur manchmal etwas weniger Pein.

Die Flure riechen nach der Zeit,
nach Hoffnung und nach Müdigkeit.
Geschlossene Tür offnes Ohr -
man lebt sich langsam selbst empor.

Die Psychiatrie - kein Märchenschloss,
kein Ende, das sich leicht erschloss.
Doch manchmal hält ein fremder Blick
ein kleines Stück von mir zurück.

Die Aussicht trägt ein graues Kleid,
vernäht mit Faden aus dunklen Leid.
Sie sagt: „Hier endet jeder Pfad."
Und lächelt kalt und etwas schmal .

Doch irgendwo, ganz ohne Ohnmacht,
regt sich ein- gespürtes Monster.
Nicht Jubel, nicht ein heller Chor,
nur leise: „Geh noch nicht verlor'n."

Vielleicht ist Hoffnung gar nicht laut,
nicht golden, stolz und himmelblau.
Vielleicht ist sie ein dünner Faden,
der trägt, obwohl wir's kaum erahnen.

Und wenn ich morgen wieder fall,
im viel zu stillen Treppenhall,
dann heißt das nicht: Das Spiel ist aus.
Vielleicht führt der Umweg mich nach Haus.
Im Zimmer ohne Morgen

Der Morgen klopft - ich hör ihn kaum, 
als wäre selbst…